Am Eingang des Grand Palais in Paris versperrt eine Wand den Blick. Mehr als tausend rostige Eisenkästen sind aufgestapelt, spärlich beleuchtet, durchnummeriert. Was wartet dahinter? Rund 200.000 Altkleider liegen säuberlich zu Karrees gruppiert auf dem Boden, rostige Pfosten markieren die Ecken, daran Aufhängungen für Leuchtröhren und kleine Lautsprecher, die zusammen eine Art Eisenbahnlärm erzeugen. Der Besucher irrt durch die Flachlandschaft, blickt auf die Lagerplätze mit all den Sachen, die früher einmal menschliche Körper umhüllten, dann fällt sein Blick auf den Kleiderberg an der Stirnseite. Zwanzig Meter hoch, eine Pyramide, und darüber, an einem Kran, die große rote Stahlkralle. Sie senkt sich gravitätisch, greift ein paar Kleider, hebt sich wieder und lässt sie fallen. Im Flug wirken sie federleicht, scheinen zu leben, es sind Menschlein, vielmehr Seelen; sie sind die Personnes, das ist der Titel der Installation des Pariser Künstlers Christian Boltanski, und personne heißt auf Deutsch zugleich auch »niemand«. (Aus: Zeit Online: http://www.zeit.de/2010/04/Boltanski?page=all)
14. Februar 2010
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